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"Adressat Unbekannt"

Szenische Lesung in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Gießen zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 25.01.2020

Die Evangelische Familien-Bildungsstätte Gießen zeigte am Samstag, den 25.01.2020, in Kooperation mit dem Wetzlarer Verein Kulterbunt e.V. zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus eine szenische Lesung des 1938 erschienen Briefromans „Adressat Unbekannt“ von Kathrine Kressmann Taylor. In einem Vorwort hob Aline Martin-Rühl, die Leiterin der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, die Aktualität des Themas hervor und dass es gelte „Haltung zu zeigen und Stellung zu beziehen und sich für Menschenrechte und Demokratie einzusetzen“. Martin-Rühl führte ein Zitat des evangelischen Theologen und Angehörigen der Bekennenden Kirche Martin Niemöller an: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Der Briefroman „Adressat Unbekannt“ erzählt die fiktive Lebensgeschichte des Juden Max und seines deutschen Freundes Martin, deren Freundschaft einem dramatischen Wendepunkt unterliegt und die Zeitgeschichte im Deutschland des Nationalsozialismus dokumentiert. Die beiden Freunde Max Eisenstein und Martin Schulse führen zu Beginn der 1930er Jahre gemeinsam eine gutgehende Kunstgalerie im kalifornischen San Francisco. Als sich in Deutschland das nationalsozialistische System etabliert, beginnt sich der in München verbliebene Martin, der glühender Anhänger der nationalsozialistischen Rassenideologie ist, mehr und mehr von seinem in den USA lebenden jüdischen Freund Max zu distanzieren und fordert eine Einstellung des Briefwechsels. Max Eisensteins Schwester Griselle lebt als Schauspielerin in Deutschland und gerät zunehmend in Gefahr. Trotz flehentlicher Hilfegesuche von Max verweigert Martin Schulse, der einst mit Griselle liiert war, der jungen Frau die Hilfe, so dass diese schließlich vor Martins Haustür von SA-Schergen getötet wird. Martin, der willige Verfechter der nationalsozialistischen Weltanschauung, wird schließlich selbst zum Opfer dieses Systems, als Max in Briefen an ihn den Eindruck erweckt, dass Martin ein Agent des jüdischen Widerstands sei. Und so gehen Max‘ Briefe an Martin mit dem Vermerk "Adressat unbekannt" an den Absender zurück.

Die Texte der szenischen Lesung „Adressat unbekannt“ wurden nicht einfach nur vorgetragen, sondern in einer vom mittlerweile leider verstorbenen Kulterbunt Vereinsmitglied Gitta Donges-Herbel arrangierten Inszenierung aus Musik, Darstellungen und Texten eng miteinander verwoben. An zwei sich gegenüber stehenden Tischen lasen Gisela Stoll-Krohn (als Martin Schulse) und Michael Herbel (als Max Eisenstein), eingerahmt von Pianoklängen, Klezmermusik, Cole Porters "Night and Day" die Briefparts mit der ihnen gebührenden Klarheit und beeindruckender Intensität. Die Akteure der Spielszenen (Uschi Hassler, Jan Keßler, Sandra Ramos Lopez, Anika Brummer) entwickelten mit ihrer aufrüttelnden Darstellung ein eindringliches und spannendes Drama rund um Fanatismus und Verrat. Die Darstellungen der Schauspieler*innen nahmen die Themen der Lesung auf und verdichteten sie mit modernen Stilelementen unterstützt von ausgesuchter Musik (Technik: Sandra Pfaff).

Ergänzt wurde die Aufführung durch gelesene Auszüge (Edith Arabain-Schaft) aus den zeitgenössischen Tagebüchern des Laubacher Sozialdemokraten Friedrich Kellner und der Jüdin Hilda Stern Cohen aus Nieder-Ohmen, die einen grausamen realistischen Bezug zu Geschehnissen direkt hier vor Ort in Mittelhessen herstellten.

In einem Nachgespräch hatten die ca. 80 Zuschauer*innen Gelegenheit Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen, wobei viele Zuschauer*innen ihre Erschütterung ob der Dramatik des Stücks und des beklemmenden Gegenwartsbezugs zum Ausdruck brachten. Die Zuschauer*innen diskutierten rege, ob Zeitgenoss*innen des Nationalsozialismus ob der Offensichtlichkeit der Geschehnisse tatsächlich behaupten könnten, nichts von den Vorgängen gewusst zu haben.

 

„Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben. Adressat unbekannt sollte Schullektüre werden." (Elke Heidenreich)

 „ […] ergreifend und spannend […]“ (Wetzlarer Neue Zeitung, 04.02.2014)

 „Die Inszenierung von Gitta Donges-Herbel zeichnete ein düsteres und hochintensives Bild der ganz privaten und der allgemeinen Lage Ende der 30er Jahre.“ (Gießener Anzeiger, 27.01.2020: https://www.giessener-anzeiger.de/freizeit/kunst-und-kultur/kulturnachrichten/wenn-der-freund-zum-feind-wird_21119939

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